Unser Anspruch:

Grundlage des humanistischen Menschenbildes ist die Vorstellung von der eigenständigen, in sich wertvollen Persönlichkeit, die jeder Mensch hat. Jeder hat Anspruch darauf, als er selbst anerkannt zu werden und als wertvolles Mitglied einer sozialen Gemeinschaft wirken zu können. Jede Person hat ein Selbstbild, das sie nutzt, um sich selbst und ihre Wertvorstellungen gegenüber anderen darzustellen. Das Selbstbild baut auf Wertschätzung auf. Das Bedürfnis nach Wertschätzung ist essentiell für die Entwicklung und den Erhalt des Selbst.

Der Mensch mit Demenz in einer stationären Einrichtung ist besonders gefährdet, die Kontrolle über sein Leben und seine Ich-Identität zu verlieren. Der Einzug in eine stationäre Einrichtung erfolgt häufig in einem Stadium der Demenz, in der diese Umgebungsveränderung kaum noch bewältigt werden kann, wodurch eine zusätzliche Destabilisierung der Person erfolgt. Die Organisationsbedingungen der stationären Einrichtung können zusätzlich bewirken, dass noch bestehende Fähigkeiten eines selbstbestimmten Lebens nicht erkannt und nicht genutzt werden. Der Kontrollverlust verstärkt sich dann in der stationären Pflege durch organisationsbedingte Orientierungslosigkeit, durch Übernahme von Handlungen, die noch selbst vollzogen werden können und durch organisationsbedingte Fremdbestimmung.

Demente Menschen haben ein besonders ausgeprägtes Bedürfnis nach Trost, Identität, Beschäftigung, Einbeziehung und Bindung. Dieses Bedürfnis entsteht durch die Verluste über die Kontrolle des eigenen Lebens. Trost bedeutet Nähe und Beistand, Linderung von Schmerzen und Sorge für ein sicheres, geborgenes Aufgehobensein.

Unser wichtigstes Pflegeziel ist der Erhalt oder die Verbesserung des Wohlbefindens Betroffener. Personen mit Demenz benötigen in der stationären Pflege eine Stabilisierung ihrer Ich-Identität, um nicht verloren zu gehen. Dies wird in erster Linie durch eine anerkennende Beziehungsgestaltung zu jedem einzelnen Menschen mit Demenz und innerhalb der sozialen Gruppe erreicht.

Das Umfeld für Menschen mit Demenz muss - wie das in unserer Pflegeeinrichtung auch der Fall ist - deren eingeschränkter Aufnahmefähigkeit angepasst und deshalb möglichst reizarm gestaltet werden. Darüber hinaus gilt das Gebot der Anpassung an demente Menschen grundsätzlich auch für jeden anderen Bereich. Kontakt steht vor jeder Funktion. Weitere wichtige Umgangsregeln sind: Ruhe und Gelassenheit im Kontakt; Freundlichkeit, Lächeln und Humor, einfache sprachliche Struktur. Verstehen steht vor jedem Machen.

  • Weitere wichtige Kriterien sind:
    Die Vermeidung des institutionellen Charakters.
  • Die Bildung kleinerer Gruppengrößen (sechs bis zwölf Personen),
  • das Ermöglichen eines normalen Alltags,
  • häusliche Einrichtung,
  • private Rückzugsmöglichkeiten und Gemeinschaftsräume, wie eine Küche oder Wohnzimmer.
  • Wir bieten vielfältige Möglichkeiten, welche die Sinne anregen und entspannen: taktile Materialien, optische Reize, schöne Badezimmer und Gärten.
Berührung spielt in der Behandlung dementer Menschen eine besonders große Rolle. Berührung hat in vielen Kulturen traditionell auch eine heilende Funktion. In modernen Gesellschaften gibt es jedoch zwischen Erwachsenen immer weniger persönliche, zwischenmenschliche Berührungen. Kein Lebewesen kann jedoch auf Dauer ohne Berührung und Kontakt existieren. Behutsame zwischenmenschliche Berührung vermittelt von Geburt bis zum Tod das Gefühl von Nähe, Geborgenheit und Anwesenheit und beeinflusst entscheidend unsere Wahrnehmungen, Gefühle, Gedanken, Wohlbefinden und unsere Heilungsprozesse.

Wohltuende Berührungen, Streicheln und Massieren reduzieren Stress und stabilisieren vegetative Funktionen. Die physiologischen Korrelate hinsichtlich Dopamin- und Oxytocinausschüttung sowie der Aktivierung des limbischen Systems sind teilweise aufgeklärt und mit bildgebenden Verfahren nachweisbar. Umgekehrt legen Befunde nahe, dass mangelnder Körperkontakt und fehlende Zuwendung eine entwicklungshemmende und depressionsfördernde Wirkung haben. Hormonausschüttungen bei Berührung mit der Aktivierung zugehöriger Hirnareale und einer Verminderung der Aktivität des frontalen Kortex sind belegt. Eine Einflussnahme über Körperkontakt und Berührung ist daher in unserer Pflegearbeit von großer Bedeutung.